Harzring soll als Freileitung entstehen

H

Entscheidung der Avacon ist gefallen / Erste Stimmen der Enttäuschung / Öffentliche Versammlung am 28. Mai

Mit der Entscheidung, ob der Harzring als Freileitung oder Erdkabel kommt, hat sich die Avacon viel Zeit gelassen. Am Ende wurde entschieden, trotz aller Argumente dagegen, die Trasse von Wasserleben bis Dingel-stedt als Freileitung zu planen. Dagegen regt sich nun bereits Widerstand.

Dingelstedt l Huy-Bürgermeister Thomas Krüger (CDU) ist sehr enttäuscht. „All unsere guten Argumente gegen eine Freileitung wurden am Ende nicht berücksichtigt.“ Mit dieser Aussage reagiert er auf eine Mitteilung der Avacon, dass die Entscheidung nun gefallen sei, den als Harzring geplanten Bau einer 110-kV-Leitung als Freileitung zu errichten.

„Diese Entscheidung ist zwar gefallen, damit hat nun jedoch die Widerspruchsfrist begonnen und die werden wir auf jeden Fall nutzen“, betont Thomas Krüger. „Der Huy-Gemeinderat hat sich geschlossen und klar gegen eine Freileitung ausgesprochen“, das sei für ihn als Gemeindeoberhaupt ein eindeutiger Auftrag, in diesem Sinne zu handeln.

Als Begründung für ihre Entscheidung zitiert die Avacon den Paragraphen 43h des Energiewirtschaftsgesetzes: „Hochspannungsleitungen auf neuen Trassen mit einer Nennspannung von 110 Kilovolt oder weniger sind als Erdkabel auszuführen, soweit die Gesamtkosten für Errichtung und Betrieb des Erdkabels die Gesamtkosten der technisch vergleichbaren Freileitung den Faktor 2,75 nicht überschreiten und naturschutzfachliche Belange nicht entgegenstehen.“

Überschreite der Kostenfaktor diesen Wert, kann eine Freileitung beantragt werden. „Nach Vorliegen der technischen und gesamtwirtschaftlichen Bewertung hat Avacon nun die finale unternehmerische Entscheidung getroffen, die neue 110-kV-Leitung als Freileitung zu beantragen“, informiert Pressesprecherin Corinna Hinkel. Die Prüfung der zu erwartenden Kosten von Kabel- und Freileitungvariante habe für den Abschnitt Wasserleben-Dingelstedt einen Faktor von 3,11 ergeben. „Für den gesamten Harzring wurde mit 3,5 ein noch höherer Faktor ermittelt.“ Neben den Kostenunterschieden spricht nach Aussagen des Unternehmens auch die technische Bewertung, unter anderem auch mit Blick auf die Versorgungssicherheit für einen Freileitungsbau.

„Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht“, erläutert Corinna Hinkel. Im Vorfeld seien viele Gespräche geführt und bei den Planungen verschiedene Varianten untersucht worden. Aufgrund der Sorgen der Bürger um das Landschaftsbild habe die Avacon die nördliche Trasse zwischen Wasserleben und Dingelstedt gewählt.

Genau diese Aussage wirft bei Maik Berger, SPD-Ortsbürgermeister von Aderstedt und Initiator einer Online-Petition gegen die Freileitung, gleich mehrere Fragen auf. „Bislang war immer von zwei Varianten die Rede, einer Huy-nahen Südtrasse und einer Huy-ferneren Nordvariante.“ Nun wüsste er gern, ob wirklich beide Varianten sowohl als Frei-, als auch als Erdleitung betrachtet worden seien.

„Generell bin ich von der Entscheidung des Netzbetreibers, die Trasse als Freileitung zu bauen, tief enttäuscht“, betont Berger. Dabei gehe es keinesfalls um das „Ob“, sondern das „Wie“.

„Wir stehen unbedingt zu diesem Lückenschluss des sogenannten Harzrings, um die Versorgungssicherheit unserer Region und die Ableitung des Stroms aus den dezentralen Stromerzeugern besser zu gewährleisten.“ Immer wieder hatten ärgerliche Stromausfälle in der Vergangenheit gezeigt, dass das Netz zu anfällig ist.

Aber: „So viele Einwohner, Vereine, Gewerbetreibende, Landwirte, Politiker, Ortschaftsräte, der Gemeinderat und unsere Verwaltung haben alle Stellung bezogen. „Wir sind gegen eine Freileitung.“ Und dennoch missachte die Avacon diese Willensbekundung und beantrage eine Freileitung. „Die finanziellen Interessen eines Stromriesen werden unsere Region nachhaltig über Jahrzehnte verändern und beeinflussen.“

Der Huy und Bruch sei eine Region, die von intakter Flora und Fauna lebt. „Das Tourismuskonzept unserer Gemeinde stützt sich auf diese Kulturlandschaft. Wir planen Radwege und nun soll unsere einmalige Landschaft zerschnitten werden. Vögel wie Rotmilan und Storch werden nachhaltig durch Oberleitungen beeinflusst.“

Und: „Am Rande unserer Gemeinde sind wir bereits durch Windkraftanlagen eingegrenzt. Jetzt auch noch eine oberirdische Stromtrasse mitten durch die Landschaft? Wir sagen nein“, betont Berger. „Um eine breite Front gegen die Pläne der Avacon aufzubauen, planen wir eine Bürgerinitiative.“

Der Netzbetreiber Avacon lädt zu einer öffentlichen Veranstaltung für Dienstag, 28. Mai, um 18 Uhr in das Dorfgemeinschaftshaus Eilsdorf ein, um über den Stand der Planungen und weitere Schritte zu informieren.

weitere Infos unter: www.avacon-netz.de/harzring

Halberstädter Volkstimme vom 12.04.2019

Harzring soll als Freileitung entstehen

Kommentiere Meldung

Newsletter

Melden Sie sich zu unserem Newsletter an.

Neue Beiträge

Neue Kommentare

Archive