Bürgerinitiative ist tief enttäuscht

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Avacon hält an ihren Plänen fest, den Harzring von Wasserleben nach Dingelstedt als Freileitung zu bauen

Unbeeindruckt von allen Einwänden und Protesten hält die Avacon an ihren Plänen fest, den Harzring von Wasserleben nach Dingelstedt als Freileitung bauen zu wollen. Nun wurde der Antrag auf das Planfeststellungsverfahren angekündigt.

„Wir sind sehr enttäuscht“, ist die erste Reaktion von Maik Berger, einem der Sprecher der Bürgerinitiative „Freie Sicht auf Huy und Bruch“ auf die jüngste Pressemitteilung der Avacon zum aktuellen Planungsstand des sogenannten Harzrings.

Mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln kämpft die Bürgerinitiative gegen die Pläne der Avacon, diese 110-KV-Leitung als Freileitung bauen zu wollen. Viele Gespräche wurden geführt, die Politik wurde ins Boot geholt, stichhaltige Argumente wurden geliefert. Doch in der Pressemitteilung ist davon keine Rede, sondern die Avacon betont, dass die Feinplanung einschließlich der vorgesehenen Maststandorte nun so weit vorangeschritten sei, dass ein Ingenieurbüro mit den Bewirtschaftern der Grundstücke Gespräche führen wird.

Weiter heißt es „Auch die Eigentümer werden informiert, dass ihr Grundstück von der Leitung überspannt wird oder Maststandorte vorgesehen sind.“ Aktuell bereite Avacon den Antrag auf das Planfeststellungsverfahren vor, der nach jetzigem Stand im Sommer 2020 im Landesverwaltungsamt eingereicht werden soll. Im Rahmen dieses Verfahrens werden die Träger öffentlicher Belange sowie die Öffentlichkeit dann Gelegenheit haben, zu dem geplanten Leitungsbau Stellung zu nehmen.“

Dazu betont die Bürgerinitiative, dass sie keinesfalls gegen den Ausbau des Harzrings sei und diesen sogar ausdrücklich begrüße. „Künftig wird es möglich sein, das bei Störungen im Zuge einer Ringschaltung von zwei Seiten entgegengewirkt werden kann“, erklärt Maik Berger und ergänzt, dass dieser Lückenschluss erst durch die Bundesnetzagentur auferlegt worden sei. „Und dieser kann auch durch ein Erdkabel gesichert werden.“

Zum abschließenden Argument der Avacon, dass mit der Umsetzung des Projektes „110 KV-Leitung“ die Aufnahmefähigkeit des Netzes für Strom aus erneuerbaren Energiequellen erhöht und für die langfristige Sicherung einer stabilen Stromversorgung zu Zeiten des Kohleaustieges und des Ausbaus der erneuerbaren Energieerzeugung notwendig und im öffentlichen Interesse erfolge, vertritt die Bürgerinitiative einen klaren Standpunkt.

Ursächlich für den Harzring-Lückenschluss sei nicht die Versorgungssicherheit, sondern die Ableitung der regenerativen Energien aus der Region. „Bei uns befindet sich eine sogenannte Engstelle im Trassensystem.“ Die Versorgungssicherheit sei nur ein „Nebenprodukt“, das die Bürger allerdings sehr begrüßen. „Jedoch wird mit keinem Wort der massive Widerstand in der Bevölkerung, die Haltung der Landwirte, der Gemeinden und Kommunalpolitiker erwähnt. „Wir alle möchten eine Erdverkabelung. Wir leben hier und fordern, dass wir als Bevölkerung bei diesem Projekt ernst genommen werden.“

Weiter fragt die Bürgerinitiative: „Was passiert eigentlich, wenn der Ausbau der regenerativen Energien weiter voranschreitet und wir dann bereits diese oberirdische Leitung haben?“ Dazu gebe es bereits Planspiele.

Dann sei der Dammbruch in der Region bereits vorhanden und es sollte ein Leichtes sein, eine zweite oberirdische Trasse zu bauen oder die bestehende dann durch noch höhere Masten zu ersetzen. „Unsere Natur wäre für immer entstellt und das nur, weil ein Konzern sein Projekt gegen den Willen der Bevölkerung durchgezogen hat.“

Gerade in Anbetracht des Klimawandels und der extremen Wetterlagen sei die oberirdische Verlegung von Stromkabeln nicht mehr zeitgemäß, weil diese viel zu anfällig für mögliche Störungen sind. „Alle Bedenken gegen eine Erdverkablung konnten wir in vielen Gesprächen widerlegen und haben unseren Standpunkt und Lösungsmöglichkeiten gegenüber den Vertretern der Avacon aufgezeigt.“

Allerdings sei keine einzige Änderung im Planungsprozess zu erkennen. Das Planfeststellungsverfahren sieht nun vor, dass der Netzbetreiber beide Varianten, sowohl die Freileitung als auch die Erdverkabelung, vorlegen muss. Und per Gesetz steht es nur dem Landesverwaltungsamt zu, eine Entscheidung zur Trassenführung zu treffen. „Unsere Hoffnung liegt auf der Vernunft der dortigen Verantwortlichen.“

Abschließend betont Maik Berger, dass das Ingenieurbüro bereits mit den Bewirtschaftern der betroffenen Flächen gesprochen habe. Die große Mehrheit hätte ihre Haltung betont, auf ihren Flächen keine Strommasten zu dulden und sich für eine Erdverkabelung weiter stark zu machen.

Quelle: Volksstimme vom 30.11.2019

Lesen Sie hier die Stellungnahme der Bürgerinitiative zur Pressemeldung der Avacon: Stellungnahme

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