Alle wollen das Erdkabel

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Warum Landtagsabgeordnete „Freie Sicht auf Huy und Bruch“ unterstützen / Termin mit Avacon Anfang September

Mit der Gründung einer Bürgerinitiative haben Huy-Bewohner auf die Entscheidung der Avacon reagiert, die geplante Stromtrasse „Harzring“ als Freileitung bauen zu wollen. Nun holen die Freileitungsgegner Politiker mit ins Boot.

Dingelstedt | Die Zahl der Unterstützer der Bürgerinitiative „Freie Sicht auf Huy und Bruch“ wird immer größer. Auch die CDU-Landtagsabgeordneten Bernhard Daldrup und Daniel Szarata gehören nun dazu. Bei einem Termin auf dem Flugplatz in Dingelstedt sind die beiden Politiker mit Vertretern der Bürgerinitiative ins Gespräch kommen und haben sich vor Ort einen Eindruck von der besonderen Brisanz des Themas gemacht.

Dirk Spangenberg, Sprecher der Bürgerinitiative und Vorsitzender des Luftsportvereins erläuterte die Probleme, die der Club künftig bekäme, wenn die sogenannte Platzrunde durch eine Freileitung gefährdet wird. Die Existenz des ganzen Vereins sei bedroht. Er bitte die Politiker jedoch nicht nur als Flieger, sondern vor allem als betroffener Bürger um Hilfe. „Wir wollen diese Freileitung nicht vor unserer Nase haben.“

„Das Raumordnungsverfahren für die Trassenverlauf ist abgeschlossen“, erläuterte Huy-Bürgermeister Thomas Krüger (CDU) den Zeitplan der Avacon. Noch in diesem Jahr seien Feinplanung und Grunderwerb vorgesehen. Das Planfeststellungsverfahren soll Anfang 2020 beim Landesverwaltungsamt eingereicht werden. An dieser Stelle sehen die Politiker Daldrup und Szarata Möglichkeiten, aktiv zu werden. „Wir werden Kontakt mit dem Landesverwaltungsamt aufnehmen. Ideal wäre es, die Verantwortlichen vor Ort mit den lokalen Gegebenheiten im Huy vertraut zu machen.“

Parallel dazu werden die Gemeindeverwaltung und der Gemeinderat Einblick in die Kalkulation der Trasse erhalten. Das sei mit der Avacon bereits vereinbart und für Anfang September geplant, bestätigt Thomas Krüger.

Das Energiewirtschaftsgesetz sieht vor, dass eine Freileitung dann gebaut werden kann, wenn die Erdverkabelung mehr als 2,75-mal so teuer wäre. Nach Angaben der Avacon hat die Berechnung für die Trasse von Wasserleben nach Dingelstedt den Faktor 3,1 ergeben. Doch genau diese Zahl zweifelt die Bürgerinitiative an. So ist zum Bespiel nicht klar, welche Trassen genau betrachtet worden sind, welche Bodenklassen herangezogen wurden, ob eine Teilverkabelung in Betracht gezogen wurde und, ob alternative Verfahren wie Pflügen oder Spülen eine Rolle gespielt haben.

Thomas Steckhan aus Dingelstedt hat eine Website erstellt, auf der aktuelle Informationen und Hintergründe nachzulesen sind. Unter anderem ist hier eine Studie zu finden, die verschiedene Varianten der Verlegung solcher 110-KV-Leitungen vergleicht. „Ich zweifele nach wie vor die Berechnung der Avacon an“, betont Steckhan.

„Eine solche 110-KV-Leitung gehört unter die Erde“, ist auch Heiko Bode überzeugt. Der Landwirt aus Badersleben, auf dessen Ackerflächen nach den Plänen der Avacon künftig etwa zehn Strommasten stehen sollen, ist fest entschlossen, der Avacon die Stirn zu bieten. „Damit stehe ich nicht allein sondern habe viele Landeigentümer und Pächter hinter mir.“

Hintergrund ist, dass die Avacon verkündet hat, den Bau des Harzrings aus Kostengründen als Freileitung zu realisieren. Schnell wurde Empörung über die Art und Weise des Netzbetreibers laut. „Bei der Planung wurden weder der Bürgerwille, noch alle sachlichen Argumente und Stellungnahmen berücksichtigt“, bedauern die Freileitungsgegner.

Volksstimme vom 19.06.2019

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