Volksstimme vom 26.09.26 | Maria Lang
Bürgerinitiative gegen geplante Freileitungen der Avacon im Huy hat sich neu formiert.
Gemeinde Huy. Die Pläne für den Bau des Harzrings seitens der Avacon zur besseren Stromversorgung des nördlichen Harzvorlands gibt es schon lange.
Bereits vor Jahren hatten diese die Bürgerinitiative „Freie Sicht auf Huy und Bruch“ auf den Plan gerufen, die sich dafür eingesetzt hatte, dass die Teilstrecke von Badersleben nach Dingelstedt nicht wie geplant als Freileitung, sondern mittels Erdkabel gebaut wird.
2020 konnten sie eine entsprechende Zusage erwirken – die nun jedoch hinfällig zu sein scheint.
Voll war es am Mittwochabend, 23. September, auf dem Dingelstedter Magdalenenhof, wohin Claudia Christ-Steckhan und ihr Mann Thomas Steckhan zu einem Treffen der Bürgerinitiative (BI) eingeladen hatten. Grund ist erneut die Erweiterung des Harzrings: Vor einigen Wochen hatte bereits ein Treffen im Landratsamt stattgefunden, bei dem die Avacon die diesbezüglichen Pläne vorstellte, wie Thomas Steckhan berichtet. Dabei ging es vordergründig um den Abschnitt von Schwanebeck nach Dingelstedt, der als Freileitung geplant ist. Schon hiergegen wolle man vorgehen und die BI zu diesem Zweck wiederbeleben.
Wie sich nun in erneutem Gespräch mit Bürgermeister Marcel Winkel herausstellte, soll jedoch auch die Strecke von Dingelstedt nach Badersleben als Freileitung gebaut werden – und nicht wie versprochen als Erdkabel.
„Wir sehen das als klaren Wortbruch, gegen den wir vorgehen werden“, so Steckhan bei der Versammlung.
„Mit der damaligen Zusage haben wir ja auch geplant“, ergänzt Dirk Spangenberg, der auch schon damals in der Bürgerinitiative aktiv war. „Das betrifft zum Beispiel unseren Flugplatz hier in Dingelstedt oder auch den Radweg. In beides wurde viel Geld investiert.“
Die Abkehr von der zugesagten Variante sorgt spürbar für Unverständnis, Empörung und Sprachlosigkeit unter den Anwesenden.
Ein WhatsApp-Kanal wurde bereits ins Leben gerufen, über den man künftig über Neuigkeiten informieren wolle. In kleiner Gruppe von etwa sechs Mann wolle man nun die nächsten Schritte – Unterschriftensammlung, Onlinepetition, offener Brief an die Avacon – besprechen und angehen.
„Einfach wird das nicht“, so Steckhan abschließend. „Aber wir werden alles versuchen.“
Wer unterstützen will oder weitere Infos braucht, kann sich unter der Mailadresse kontakt@freie-sicht-auf-huy-und-bruch.de an die BI wenden.
In einer Pressemitteilung, die die Avacon am Donnerstagmorgen veröffentlichte, heißt es, es habe eine „erneute fachliche Gesamtbewertung des Projekts“ der Strecke Wasserleben-Dingelstedt gegeben, die eine Freileitung nach sich ziehe. „Ausschlaggebend für die Neubewertung ist die Entwicklung des Strombedarfs in der Region“, so die Begründung.
„Seit der ursprünglichen Planung im Jahr 2020 haben sich die Anforderungen an das Stromnetz deutlich verändert. Die heute benötigte Übertragungskapazität liegt nach aktueller Planung etwa doppelt so hoch wie ursprünglich vorgesehen. Zusätzliche Kapazitäten werden insbesondere für die Aufnahme erneuerbarer Energien sowie für neue industrielle und gewerbliche Bedarfe in der Region benötigt. Zudem wird gesamtgesellschaftlich ein höherer Elektrifizierungsbedarf prognostiziert als noch zu Beginn der Planung.“
„Mit der gestiegenen Übertragungskapazität steigen bei einer Teilverkabelung auch die technischen Anforderungen, etwa an die Kabelsysteme und notwendige Kompensation“, wird erklärt. Vor diesem Hintergrund sei die bisher vorgesehene Kombination aus Freileitung und Erdkabel erneut technisch bewertet worden und man habe festgestellt, dass eine durchgängige Freileitung höhere Leistungs- und Ausbaureserven, eine stärkere Netzwirkung und eine geringere technische Komplexität biete, so die Avacon.