„Wortbruch“ beim Harzring
Bürgerinitiative im Huy kämpft weiter gegen neue Freileitung
Volksstimme vom 28.10.2026 | Sabine Scholz
Dingelstedt. – Sie geben den Kampf nicht auf, die Mitglieder der Bürgerinitiative „Freie Sicht auf Huy und Bruch – Keine Freileitung in der Gemeinde Huy“. Kürzlich haben sie sich auch an Marcel Winkel gewandt, den parteilosen Bürgermeister der Einheitsgemeinde Huy.
Thomas Steckhan ist gemeinsam mit seiner Frau Claudia Christ-Steckhan sowie Dirk Spangenberg und Heiko Bode an vorderster Front der vor wenigen Wochen wieder ins Leben gerufenen Bürgerinitiative (BI) aktiv. Er übergab am Dienstag, 27. Oktober, den von der BI verfassten offenen Brief, der sich an die Avacon und deren Vorstandsvorsitzenden wendet, an Winkel. „Wir hoffen, dass die Verwaltung uns in unserem Kampf unterstützt“, so Steckhan.
Wortbruch erschüttert Vertrauen der Bürger im Huy
Den Kompromiss, der 2020 zwischen Avacon, den beteiligten Kommunen und der BI gefunden worden war, hat der Energieversorger jüngst aufgekündigt. „Und zwar heimlich, still und leise. Das ist schon echt ’ne Nummer. Das ist Wortbruch“, sagt Steckhan weiter.
2020 hatte der immer noch als solcher tätige Vorstandsvorsitzende der Avacon, Marten Bunnemann, geäußert, dass man „im Sinne eines partnerschaftlichen Miteinanders“ bereit sei, eine Teilverkabelung zu planen. Das persönlich gegebene Wort habe Vertrauen bei den Bürgern geschaffen, dass nun bitter enttäuscht werde.
Entgegen den damaligen Aussagen solle nun doch keinerlei Erdverkabelung kommen. „Es ist auch solches Handeln, das das Vertrauen in unsere Demokratie erschüttert“, ist Steckhan überzeugt.
Die Avacon plant den Bau eines Harzringes, einer neuen 110-kV-Leitung zwischen Wasserleben und Schwanebeck, um die Versorgungssicherheit im nördlichen Harzvorland zu verbessern. Das Problem im Abschnitt Badersleben-Dingelstedt sei nicht nur, dass eine große Freileitung die Bemühungen, den Tourismus in der landschaftlich schönen Region zu entwickeln, torpediere. „Auch der Flugplatz wäre massiv betroffen“, so Steckhan.
Bürgerinitiative aus dem Huy wendet sich an Sachsen-Anhalts Landtag
Auf ihrer ebenfalls am 27. Oktober installierten Webseite www.keine-freileitung-im-huy.de hat die BI die Vorgeschichte des Ganzen zusammengetragen und auch den Wortlaut des offenen Briefes samt der darin enthaltenen Forderungen einer Stellungnahme veröffentlicht.
Man stehe für einen sachlichen und konstruktiven Dialog zur Verfügung, betont Steckhan, werde aber den einseitigen Ausstieg aus dem Kompromiss nicht hinnehmen. „Wir wollen auch den Petitionsausschuss des Landtages kontaktieren, um unsere bereits vorliegende Petition wieder zu öffnen.“