Kommen neue Freileitungen in den Huy?

Volksstimme vom 21.08.2026 |  Maria Lang

Schon seit Jahren arbeitet die Avacon an den Plänen zum Bau des Harzrings, der die Stromversorgung im nördlichen Harzvorland sicherstellen soll. Die anstehenden Abschnitte durch den Huy sorgen nun für Unmut – da sie als Freileitungen geplant sind.

Dingelstedt. – Der Harzring ist ein Projekt der Avacon, das in der Gemeinde Huy schon mehrfach für Aufsehen gesorgt hat. Bereits vor einigen Jahren hatte sich die Bürgerinitiative „Freie Sicht auf Huy und Bruch“ gebildet, als bekannt wurde, dass die neuen Stromleitungen auf ihrem Weg von Wasserleben in Richtung Dingelstedt als Freileitungen gebaut werden sollen.

„Nach langem Kampf und zähen Verhandlungen konnten wir im Juni 2020 damals die Zusage seitens der Avacon erreichen, dass zumindest der Teil des Abschnitts zwischen Badersleben und Dingelstedt als Erdverkabelung gebaut werden wird“, berichtet Thomas Steckhan, der damals in der Initiative aktiv war. Seitdem ist es ruhig um das Thema gewesen. Bis jetzt.

Neue Pläne für Harzring sehen Freileitungen vor

„Vor kurzem gab es einen Termin im Landratsamt, bei dem die Avacon ihre neuesten Pläne vorgestellt hat“, berichtet Steckhan (parteilos), der seit 2024 Ortsbürgermeister in Dingelstedt ist und deshalb bei dem Termin dabei war. Dieser hielt Überraschungen bereit: Zum einen sei die Reihenfolge der Bauabschnitte geändert worden. War ursprünglich zuerst der Abschnitt von Badesleben nach Dingelstedt geplant gewesen, sei nun der von Schwanebeck nach Dingelstedt vorher dran.

„Nach den Planungen ist dieser komplett als Freileitung angelegt“, so Steckhan. „Das werden dann auf acht Kilometern Länge mehr als 20 Masten in 45 Metern Höhe, ziemlich genau entlang des Huy-Radwegs. Das wäre eine Katastrophe – sowohl für die Umwelt als auch für unseren Tourismus. Von der Optik mal ganz abgesehen.“ Am meisten überrascht habe ihn, dass von keiner Seite Gegenwehr zu diesen Plänen aufkam und er der einzige gewesen sei, der ankündigte, dass dieses Vorhaben nicht widerspruchslos durchgehen werde. „Geärgert hat mich auch, dass die Erdverkabelung scheinbar gar nicht zur Debatte steht“, sagt er. Er wolle nun gemeinsam mit seiner Frau und möglichst vielen Helfern die Bürgerinitiative wiederbeleben und suche nach Unterstützern. „Alleine können wir die Welt nicht retten.“

Avacon bestätigt geplante Freileitungen

Eine Nachfrage bei der Avacon bestätigt die Pläne: Die Fortsetzung des Harzrings sei als Freileitung geplant. „Aktuell arbeiten wir an dem Abschnitt von Schwanebeck nach Halberstadt, der als Freileitung entlang der bereits bestehenden Trasse gebaut wird“, bestätigt Unternehmenssprecherin Daniela Geppert. Man befinde sich hier in der Planungsphase, ein konkreter Baubeginn stehe noch nicht fest. Mitte bis Ende 2026 sollen die Baugrunduntersuchungen beginnen und Anfang/Mitte 2027 sollen die Planfeststellungsunterlagen eingereicht werden. Erst nach Abschluss des Genehmigungsverfahrens kann festgelegt werden, wann die Bauarbeiten starten und wie lange sie dauern. Dieser Abschnitt tangiert die Gemarkung der Gemeinde Huy nur am Rande.

Doch auch die Planungen für den folgenden Abschnitt von Schwanebeck nach Dingelstedt seien bereits angelaufen: „Auch hier planen wir eine Freileitung, da wir nach dem Wirtschaftlichkeitsgebot arbeiten“, erklärt sie weiter. „Sind die Kosten für eine Erdverkabelung geringer als 2,7-mal die für eine Freileitung, müssen wir in die Erde, liegen sie darüber, nicht mehr – und das ist hier deutlich der Fall. Deshalb haben wir uns, so der aktuelle Stand, für die Freileitung entschieden.“

Anfang 2027 werde es einen Infomarkt zu diesem Abschnitt geben, das Planfeststellungsverfahren folge dann voraussichtlich 2028. Erst danach könne gebaut werden. Der Abschnitt von Dingelstedt nach Badersleben folge dann.